
PRiVENT: Früh handeln, invasive Langzeitbeatmung vermeiden
Das Heidelberger PRiVENT-Projekt zeigt einen neuen Weg, um invasive Langzeitbeatmung und außerklinische Intensivpflege möglichst zu vermeiden – mit Vorteilen für Patientinnen und Patienten und dem Potenzial, erhebliche Ressourcen im Gesundheitssystem einzusparen.
Die Zahl der außerklinisch langzeitbeatmeten Patient:innen nimmt in Deutschland weiter zu. Eine invasive Langzeitbeatmung kann mit einer dauerhaften Abhängigkeit vom Beatmungsgerät, einer Trachealkanüle und außerklinischer Intensivpflege verbunden sein. Für Betroffene bedeutet dies häufig erhebliche Einschränkungen der Lebensqualität; zugleich ist die Versorgung sehr ressourcen- und kostenintensiv.
Das Versorgungsprojekt PRiVENT – Prävention invasiver Ventilation durch Früherkennung und frühzeitige Intervention bei Risikopatienten wurde im Rahmen des Innovationsfonds des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) entwickelt. Ziel ist es, Patientinnen und Patienten mit einem hohen Risiko für eine Langzeitbeatmung frühzeitig zu erkennen und ihnen die Expertise spezialisierter Weaning-Zentren zugänglich zu machen. Denn auch bei schwierigen Verläufen kann eine Entwöhnung von der Beatmung noch möglich sein. Entscheidend ist, das Weaning-Potenzial frühzeitig zu erkennen und auszuschöpfen, bevor eine außerklinische Langzeitbeatmung eingeleitet wird.
Dazu bringen interprofessionelle Weaning-Boards und Weaning-Konsile pneumologische und atmungstherapeutische Expertise direkt in die behandelnden Intensivstationen. Spezialistinnen und Spezialisten beraten gemeinsam mit den Teams vor Ort beispielsweise zu Beatmungsstrategien, Entwöhnungsversuchen und der Möglichkeit, eine Trachealkanüle wieder zu entfernen. Auf diese Weise soll spezialisiertes Wissen auch Patientinnen und Patienten in Kliniken ohne eigenes Weaning-Zentrum erreichen.
„Neben dem medizinischen Behandlungserfolg geht es uns vor allem darum, die Selbstständigkeit und Lebensqualität unserer Patientinnen und Patienten so weit wie möglich zu erhalten oder zu verbessern“, sagt die Projektleiterin Franziska Trudzinski, stellvertretende Leiterin der allgemeinen Ambulanz an der Thoraxklinik Heidelberg sowie Wissenschaftlerin im Translational Lung Research Center Heidelberg (TLRC).
Nach den positiven Erfahrungen aus dem Innovationsfondsprojekt wird PRiVENT nun gemeinsam mit dem Projektpartner AOK Baden-Württemberg über einen Selektivvertrag nach § 140a SGB V in die Versorgung überführt. Ziel ist es, die frühzeitige Zusammenarbeit zwischen Intensivstationen und spezialisierten Weaning-Zentren dauerhaft zu etablieren.
Weitere Informationen finden Sie auf der Projektwebseite: https://wieder-selbst-atmen.de/
