
Publikation von TLRC-Forschern wird vom Journal of Nuclear Medicine zum besten klinischen Artikel 2019 gewählt.
Die exakte Lage, Größe und Streuung eines Tumors zu kennen, ist unerlässlich für eine zuverlässige Krebsdiagnose und entscheidend bei der Auswahl gezielter Therapien. DZL-Forscher des Standorts Heidelberg (TLRC) entwickelten eine neue Methode basierend auf Positronen-Emissions-Tomografie (PET), die bei vielen verbreiteten Krebsarten eine genauere Abbildung von Tumoren und Metastasen ermöglicht und gleichzeitig Ansätze für die Entwicklung neuer Therapien liefert. Ihre Arbeit wurde von der Fachzeitschrift Journal of Nuclear Medicine (JNM) geehrt und eine ihrer Publikationen zu den besten des Jahres 2019 gewählt.
Das neue Verfahren macht sich zu Nutze, dass viele Tumoren zu einem großen Anteil aus gutartigem Bindegewebe bestehen. Im Gegensatz zu normalem Bindegewebe finden sich auf Krebs-assoziierten Bindegewebszellen (Fibroblasten) jedoch große Mengen eines Enzyms ─ das sogenannte Fibroblasten-Aktivierungsprotein (FAP). Dieses Enzym machten die Forscher mit Hilfe von PET-Computertomographie (PET-CT) indirekt sichtbar, indem sie ein Molekül das daran bindet, radioaktiv markierten und Krebspatienten injizierten. Dieses radioaktiv markierte Molekül, das 68Ga-FAP-Inhibitor (68Ga-FAPI) genannt wird, diente als Markierungsstoff, oder sogenannter Tracer. Der Tracer lagert sich selektiv im Tumorgewebe an, welches dadurch auf PET-CT Aufnahmen gut von gesundem Gewebe unterschieden werden kann. Der FAPI-Tracer konnte gegenüber dem bisher gebräuchlichen Tracer 18F-fluorodeoxyglucose (18F -FDG) die bildliche Darstellung einiger Tumoren verbessern und könnte zukünftig sogar bei der Behandlung von Krebs eingesetzt werden. Da FAPI sich in Tumorgewebe anreichert, könnten aggressive radioaktive Moleküle daran gebunden werden, die das Potential haben, den Tumor zu zerstören.
In der Studie, die vom JNM geehrt wurden, testete das Team um Professor Uwe Haberkorn wie gut sich der neue Tracer eignet, um verschiedene Krebsarten mittels PET-CT abzubilden. Dafür wurde der Tracer Krebspatienten injiziert, bei denen bereits unterschiedliche Krebsarten diagnostiziert worden waren. Die Forscher fanden unter anderem, dass die Strahlenbelastung des Patienten nach Gabe des FAPI-Tracers im Vergleich zu anderen Tracern wie FDG deutlich geringer ist. Sie waren in der Lage 28 verschiedene Krebsarten, sowie dazugehörige Metastasen, mit dem neuen FAPI-Tracer abzubilden. Verschiedene Tumoren nahmen unterschiedliche Mengen des Tracers auf, die Bildauflösung war aber auch bei Tumoren mit geringerer Aufnahme dank des hohen Kontrastes zum Normalgewebe hoch. Eine besonders gute Bildauflösung konnte für weit verbreitete Krebsarten wie Brust-, Speiseröhren-, Bauchspeicheldrüsen-, Darm- und Lungenkrebs erzielt werden.
Das neue Verfahren ist nicht auf die Diagnose und Behandlung von Krebs beschränkt. Auch bei Herz-Kreislauferkrankungen und Nieren-, Leber- und Lungenfibrosen kommt es zu einem Umbau des Gewebes (Remodelling), der mit einer FAPI-Anreicherung einhergeht.
Der FAPI-Tracer wurde bereits bei mehreren hundert Patienten in verschiedenen deutschen Krankenhäusern eingesetzt. Ferner sind klinische Studien in den USA und Australien geplant.
/ TLRC - Doreen Penso Dolfin
Originalpublikation:
68Ga-FAPI PET/CT: Tracer Uptake in 28 Different Kinds of Cancer. Kratochwil C, Flechsig P, Lindner T, Abderrahim L, Altmann A, Mier W, Adeberg S, Rathke H, Röhrich M, Winter H, Plinkert PK, Marme F, Lang M, Kauczor HU, Jäger D, Debus J, Haberkorn U, Giesel FL. (2019) J Nucl Med. 60 (6):801-805.
Bekanntmachung durch Society of Nuclear Medicine and Molecular Imaging
