
5 Fragen an Ivana Mižik
Dr. Ivana Mizik ist Principal Investigator im DZL und leitet die Nachwuchsgruppe „Respiratorische Folgen der Frühgeburtlichkeit“ in der Abteilung Translationale Pneumologie.
1. Was hat Ihr Interesse an diesem Forschungsgebiet geweckt?
Eigentlich war es zunächst eher Zufall. Mein fachlicher Hintergrund liegt in der Molekularbiologie und Genetik, meine Masterarbeit beschäftigte sich jedoch mit Pflanzengenetik, weil dies damals der Forschungsschwerpunkt der Abteilung war. Botanische Fragestellungen haben mich allerdings nie wirklich begeistert. Für meine Promotion wollte ich deshalb unbedingt in die biomedizinische Forschung wechseln – das konkrete Thema war für mich zunächst zweitrangig. Nach mehreren Bewerbungsgesprächen entschied ich mich schließlich für ein Projekt am Max-Planck-Institut für Herz- und Lungenforschung in Bad Nauheim unter der Betreuung von Prof. Rory Morty und Prof. Werner Seeger. Dabei untersuchte ich die Rolle der extrazellulären Matrix bei der Entstehung der bronchopulmonalen Dysplasie, kurz BPD. Diese chronische Lungenerkrankung betrifft vor allem Frühgeborene, die über längere Zeit Sauerstoff oder eine maschinelle Beatmung benötigen. Das Projekt war anspruchsvoll, aber genau dort begann mein nachhaltiges Interesse an der Lungenentwicklung. Seitdem hat mich dieses Thema nicht mehr losgelassen.
2. Wo soll Ihre Forschung aus Ihrer Sicht den größten Unterschied machen?
BPD ist eine chronische Lungenerkrankung infolge von Frühgeburtlichkeit. Besonders herausfordernd ist, dass sie zu einem erheblichen Teil als Folge genau jener lebensrettenden Behandlungen entstehen kann, die Frühgeborene auf der neonatologischen Intensivstation benötigen. Mit unserer Forschung möchten wir die zellulären und molekularen Mechanismen, die zur Entstehung einer BPD führen, möglichst genau verstehen und daraus geeignete therapeutische Ansatzpunkte ableiten. Langfristig geht es darum, Schäden an der unreifen Lunge zu verhindern, abzumildern oder sogar rückgängig zu machen.
Mein größter Wunsch wäre, mehr unserer kleinen Patientinnen und Patienten ohne chronische Lungenerkrankung oder lebenslange gesundheitliche Folgen aus der Klinik entlassen zu können.
3. Was hat sich an Ihrem Blick auf Wissenschaft verändert, seit Sie eine eigene Forschungsgruppe leiten?
Am stärksten hat sich wahrscheinlich mein Gefühl für Verantwortung verändert. Als Gruppenleiterin trage ich Verantwortung für die Studierenden, ihre Projekte, ihre wissenschaftliche Entwicklung und natürlich auch für die Finanzierung. Wenn man selbst betreut, gibt es niemand anderen mehr, auf den man zeigen kann, wenn ein Projekt nicht funktioniert. Manchmal vermisse ich tatsächlich die Einfachheit eines ganzen Tages an der Pipette. Gleichzeitig ist viel strategisches Denken hinzugekommen: Wie können wir eine Fragestellung möglichst effizient bearbeiten? Wer im Team bringt für eine bestimmte Aufgabe die besten Voraussetzungen mit? Das kann mitunter eine ziemlich anspruchsvolle Denksportaufgabe sein.
Ich habe das große Glück, ein hervorragendes Team von Promovierenden mit sich sehr gut ergänzenden Fähigkeiten und Persönlichkeiten zu haben. Zu sehen, wie sie sich wissenschaftlich entwickeln und zunehmend selbstständig werden, ist für mich besonders erfüllend. Es ist natürlich großartig, wenn ein eigenes Experiment gelingt – aber noch schöner ist es, wenn eine Doktorandin oder ein Doktorand ein Experiment selbst entwickelt und damit erfolgreich ist.
4. Sie sind Programmdirektorin des TLRCollege. Was war für Sie in dieser Funktion bislang besonders bereichernd?
Wir hatten inzwischen einige sehr eindrückliche Seminare, an die sich lebhafte und engagierte Diskussionen anschlossen. Besonders schön ist es zu sehen, wenn Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftler im Austausch mit den Vortragenden neugierig werden, kritisch nachfragen und sich für ein Thema begeistern. Zu den Veranstaltungen, die mir besonders in Erinnerung geblieben sind, gehören beispielsweise Good Scientific Practice mit Dr. Leonid Schneider, Pandemic Preparedness mit Prof. Claudia Denkinger sowie zuletzt die Masterclass mit der Rektorin der Universität Heidelberg, Prof. Frauke Melchior. Auch unser Besuch im EMBL Imaging Centre mit Dr. Muzamil Khan und seinem Team ist auf sehr großes Interesse gestoßen.
Wenn Teilnehmende anschließend auf mich zukommen und erzählen, wie inspirierend oder bereichernd sie eine Veranstaltung fanden, ist das für mich die schönste Form der Rückmeldung.
5. Sie haben ein Postdoktorandenstipendium am Sinclair Centre for Regenerative Medicine des Ottawa Hospital Research Institute in Ottawa, Kanada, absolviert. Wie unterschied sich die Forschung dort von Ihrer Forschung hier in Deutschland?
Ich empfinde die Forschungswelt in Deutschland und Kanada als recht unterschiedlich. Meiner Erfahrung nach war die Arbeit in Kanada flexibler und spontaner aufgrund weniger komplexer Vorschriften. Obwohl ich mit den hohen Tierschutzstandards in Deutschland sehr zufrieden bin, machten die einfacheren und schnelleren Formalien in Kanada einen großen Unterschied bei der Durchführung der Tierversuche. Zudem wurden die Konzepte der Work-Life-Balance und des Wohlbefindens am Arbeitsplatz damals dort viel ernster genommen, was in Europa vor der COVID-Pandemie eher unüblich war. Andererseits war es finanziell oft eine Herausforderung. Erst durch das DFG Forschungsstipendium konnte ich meine Arbeit dort über nahezu drei Jahre hinweg fortführen. Der Druck auf die Nachwuchswissenschaftler, idealerweise mehrere Stipendien und Fördergelder in Kanada einzuwerben, ist erheblich.
